Im deutschen Gesundheitssystem werden jährlich 42 Milliarden Euro für Verwaltung ausgegeben. Das sind 12% der gesamten Gesundheitsausgaben. In Dänemark sind es 4%.
Die elektronische Patientenakte (ePA) wurde 2003 beschlossen. Sie wurde 2025 eingeführt — 22 Jahre später. In dieser Zeit hat Estland sein gesamtes Gesundheitssystem digitalisiert. Estland hat 1,3 Millionen Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt, das kleiner ist als das von Hamburg.
Während der COVID-Pandemie meldeten Gesundheitsämter Infektionszahlen per Fax an das Robert Koch-Institut. Das ist kein Witz. Das ist dokumentiert. Per. Fax.
Die Diagnose
Das deutsche Gesundheitssystem ist nicht technologiefeindlich. Es ist technologieängstlich. Jede Digitalisierungsmaßnahme scheitert am Zusammenspiel von: Datenschutzbedenken, Ärztelobby, Kasseninteressen, föderalen Zuständigkeiten und der allgemeinen Überzeugung, dass "bei uns" alles anders sei.
Das Ergebnis: Ein System, das 42 Milliarden für Bürokratie ausgibt, Patienten ihre eigenen Befunde nicht elektronisch zur Verfügung stellen kann und in dem Ärzte Arztbriefe diktieren, die eine Sekretärin abtippt.
Die Position von KIfD
- Pflicht-ePA für alle. Keine Opt-out-Option, die die gesamte Infrastruktur untergräbt.
- Offene, standardisierte Schnittstellen (FHIR) für alle Gesundheitsdaten.
- KI-gestützte Diagnoseunterstützung als Pflichtkomponente in Notaufnahmen.
- Abschaffung aller Faxgeräte in medizinischen Einrichtungen bis Ende 2027. Wer fax, zahlt.
- Zentrales Forschungsdatenregister für anonymisierte Gesundheitsdaten — mit strenger Governance, aber voller Zugänglichkeit für akkreditierte Forschung.
Ein Mensch, der im Jahr 2026 im Rettungswagen liegt, hat ein Recht darauf, dass der Notarzt seine Allergien kennt. Nicht weil der Patient die Karte dabei hat. Sondern weil das System sie kennt.