Die Deutsche Bahn ist das Sinnbild für den Zustand der deutschen Infrastruktur. 62% Pünktlichkeit im Fernverkehr bedeutet: Jeder dritte ICE kommt zu spät. Das ist keine Statistik. Das ist Alltag für Millionen Pendler.
Der Sanierungsstau beträgt 89 Milliarden Euro. Das ist keine Zahl, die man sich vorstellen kann. Es ist eine Zahl, die bedeutet: Jahrzehnte der Unterlassung. Brücken, die gesperrt werden müssen. Stellwerke aus den 1960er-Jahren. Weichen, die bei Hitze versagen.
Die Diagnose
Das Problem ist nicht die Bahn. Das Problem ist die systematische Vernachlässigung öffentlicher Infrastruktur zugunsten kurzfristiger Haushaltskonsolidierung. Seit der Bahnreform 1994 wurde Rendite über Instandhaltung gestellt. Was nicht glänzt, wird nicht repariert.
Die jährlichen Nettoinvestitionen in die Schieneninfrastruktur betrugen zwischen 2000 und 2020 im Durchschnitt 4 Milliarden Euro. In der Schweiz, einem Land mit einem Bruchteil des Streckennetzes, waren es pro Kopf dreimal so viel.
Die Position von KIfD
- Sofortige Verdopplung der jährlichen Investitionen in die Schieneninfrastruktur.
- Vollständige Digitalisierung der Stellwerke innerhalb von 10 Jahren — nicht 30, wie aktuell geplant.
- Transparentes Echtzeit-Dashboard für alle Baustellen, Verspätungsursachen und Investitionsflüsse.
- Kein Börsengang. Niemals. Öffentliche Infrastruktur ist kein Renditeobjekt.
Die Bahn ist das Rückgrat eines Landes, das Klimaneutralität verspricht. Wer das Rückgrat verfallen lässt, darf sich nicht wundern, wenn das Versprechen zusammenbricht.